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taz.de - 15.03.2008 VON JESSICA ZELLER

Wenn Fremdsein zur Kunst wird
Tante Nerry schickt ein Video aus Hongkong: Mit Grenzen und der
Frage danach, wie man sie überschreiten kann, setzt sich die
Ausstellung "Global Alien: Congress of Culture" im Kunstraum
Kreuzberg/Bethanien auseinander



(...) Besonders gelungen ist in der Ausstellung Lizza May Davids Video
"Looking Inwards - Perspectives on Filipino Diaspora" vielleicht gerade
deshalb, weil der Film von einer Migrantin und nicht einer Künstlerin
gedreht wurde. Denn als David ihre Tante, eine philippinische
Hausangestellte in Hongkong, bei ihrer Arbeit filmen wollte, lehnte diese
zunächst ab. Aber ein halbes Jahr später sandte sie der Nichte
unaufgefordert ein Tape mit Aufnahmen zu, die sie selbst von sich und
ihrer Tätigkeit gemacht hatte und nun zur Veröffentlichung freigab.
Einzige Bedingung: Die Familie ihres "Master" müsse rausgeschnitten
werden. Ein Vorgang mit weit reichender Bedeutung. Denn plötzlich
sind es nicht mehr die Wohnungseigentümer, die stolz ihren Besitz
zeigen, sondern die Bedienstete. Tante Nerry, eben noch in einem 16-
stündigen Arbeitstag unterdrückt, wird zur Protagonistin und Regisseurin
ihres eigenen Lebens. Zwar haben sich die sozialen Umstände ihres
Daseins nicht geändert, wohl aber der Blick auf die Migrantin als
stummes Opfer. Damit wird die Filipina ähnlich wie der nordkoreanische
Flüchtling zum Symbol für die Existenz von Grenzen und der
Möglichkeit, sie zu überschreiten.